Herzring-Übung

Wenn das Herz sich verschließt ...
Manchmal
fühlt sich Trauer so an, als läge ein eiserner Ring ums Herz. Nichts
dringt von hier nach außen, weil man mit aller Macht versucht, die Liebe
an die verstorbene Person zu wahren – aus Angst, das tiefe Gefühl
könnte dann auch verschwinden. Gleichzeitig dringt nichts nach innen, so
abgeschottet, erstarrt und einsam fühlt sich das Herz, dass es nichts
an sich heranlässt; es verharrt in der vermeintlichen Sicherheit und dem
Halt des Schmerzes.
Das ist verständlich und normal. Wir
schützen uns und ahnen doch gleichzeitig, dass die eiserne Umklammerung
unser Herz auch erkalten lässt.
In der Trauerbegleitung suchen wir
sinnbildlich nach Durchlässen durch den Ring, nicht mit dem Brecheisen
oder der Flex, sondern beispielsweise dem Gegenteil: einer Feder. Wir
legen sie daneben, streichen sanft die Umrandung entlang und finden so
Schritt für Schritt kleine Zugänge, die Licht und Wärme reinlassen in
ein Herz, das sich wieder traut, offen zu bleiben.
Hier eine Mini-Übung dazu für dich:
Dauer: 3–5 Minuten
Ort: ein ruhiger Moment, im Sitzen oder Liegen
- Ankommen
Lege eine Hand auf dein Herz oder in deine Nähe. Atme ein paar Mal langsam ein und aus. Du musst nichts verändern. Sei einfach da. - Wahrnehmen
Stell dir den eisernen Ring um dein Herz vor – so, wie er sich für dich anfühlt.
Ist er eng oder weit? Kalt oder schwer?
Beobachte nur, ohne etwas lösen zu wollen. - Die
Feder
Nun stell dir eine leichte Feder vor. Sie kann groß und bunt wie die eines Pfaus sein oder klein und weiß wie von einer Taube.
Lege die Feder in deiner Vorstellung sanft an den Ring – an eine Stelle, die dir richtig vorkommt. - Sanftes
Berühren
Mit der Feder streichst du gedanklich langsam an dieser Stelle entlang.
Vielleicht entsteht dort ein winziger Spalt. Vielleicht auch nicht.
Beides ist in Ordnung. - Ein Hauch von Wärme
Wenn du magst, stell dir vor, dass durch diesen kleinen Durchlass ein Hauch von Wärme oder Licht nach innen fällt.